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Mittwoch, 2. Dezember 2020

Regen wie aus Kübeln auf den Kanarischen Inseln

Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu, am 02.12.2020, ganz frueh, gegen 5 Uhr, weiss jeder auf Teneriffa, dass der Winter mit seiner ganzen Kraft ueber die Inseln zieht: Mit sehr viel Wasser. Auf der Nordseite des Teides gab es bereits vor Tagen eine leichte Schneedecke. Seit heute Morgen, das weiss hier jeder, hat der Teide, seinen dicken Schneemantel umgelegt. Es erging ein Platzregen, sogar ueber den Sueden Teneriffas, der fast schon aus der Erinnerung verschwunden war. Prasselnder Regen, den man so nur noch aus der Karibik und in Suedamerika kennt: Eine Wand aus Wasser kommt langsam angekrochen und entlaedt sich auf kleiner Flaeche mit heftigem Ausmass und setzt binnen Minuten, alles in den Modus "Land unter". Es fuellen sich innerhalb kurzer Zeit Innenhoefe, Strassen und Gassen, es entstehen Sturzbaeche, Kanaele laufen voll und heben die schweren Schutzdeckel wie aus Pappe. Wasser quilt aus allen Ecken. Die Kanaren haben eine poroese Oberflaeche, meistens im Sueden jeder Insel, grobes Gestein und Geroell, zum Teil, steppenhaft und trocken. Monatelang haben Sonne und Wind die Landstriche durchflutet, jetzt der ploetzliche Schockregen, der alles abrupt abkuehlt, als wuerde man vom dritten - in den Rueckwaertsgang umschalten. Das waere verherend fuer einen Automotor und so ist es fuer die Natur, die sich nun verwandelt und die Erosion vorantreibt. Das lose Gestein kommt in Bewegung, der lockere Staub wird lehmig und schwer. Es bilden sich Rinnsale, die schnell zu reissenden Baechen anschwellen, um dann alles mitzureissen, was sich in die Quere stellt. So bohren sich Taeler zwischen Steilwaende, durch Fluesse getrieben, die sehr vernichtend sein koennen, und doch ein paar Tage spaeter, wieder verschwunden sind, als habe es sie niemals gegeben. Die Taeler fuellen sich mit dem kostbarsten Stoff der Natur; in Stauseen werden sie aufgefangen, wenn die Wassermassen ihr Volumen ueberschreiten, und doch verschwinden auch viele Baeche einfach im Atlantik, wohin auch der meiste Regen faellt. So werden wir fuer die naechsten Tage die Highlights der Nachrichten bereits kennen: Herabstuerzende Felsbrocken, ganze Standabschnitte, die ploetzlich ohne Sand sind und nur runde Kieselsteine bedeuten, Erdrutsche, abgebrochene Asphaltstrassen, die vom Wasser ausgehoehlt wurden, entwurzelte Baeume aus tausendjaehrigem Bestand. Der Segen ist auch Fluch, doch, wenn wir nur an die frischgewaschenen Buergersteige denken, die vom Hundeurin befreit wurden, war es jeden Tropfen wert. Verrueckterweise sind die meisten Insulaner Hundbesitzer, eine Mode, die zur Plage ausartete und dennoch weitergeht. Hunde jeder Groesse leben auf kleinstem Raum in Ferienwohnungen in Residenzialbereichen, wo sie hauptsaechlich der Strassen- und Luftverschmutzung dienen. Der eher magere Tierschutz kann nichts ausrichten, wenn es um die Tierhaltung der verstaendnislosen Egoisten geht, die ihren Tieren so viel Leid zumuten. Fuer ein paar Stunden werden sie unsichtbar, denn der Regen setzt dem Gassigehen vorerst ein Limit; die Strassenbaeume atmen auf. Erholen sich fuer wenige Tage, dann muessen sie sich auf ein langes, schweres Ueberleben erneut einstellen, mit der geringen Chance, einmal erwachsen zu werden. Doch der Sueden Teneriffas ist nicht alles: Ich schaue in die klare Luft bis hinauf nach Vilaflor. Der Ort, der heute ganz sicher mit Niedrigtemperaturen zu kaempfen hat, denn er liegt dem Teide sehr nahe. Dort prasseln heute die kleinen Feuer, in jeder Stube, in jedem Kamin. Ob der Tag genug Sonne hergibt, um den Sueden zu erwaermen, ist noch ungewiss. Aber die Sonne hat den Himmel frei gelegt.

Dienstag, 29. September 2020

Gran Canaria im Corona Strudel

"Kurz vor dem Monatsende liegt die Infektionsrate pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen knapp über der Marke von 50 Fällen, die das Robert-Koch-Institut für die Einstufung als Risikogebiet ansetzt. Am stärksten betroffen ist nach wie vor Gran Canaria." Quelle, Reisemagazin

 

Das Thema ist brisant und auf Gran Canaria will kaum jemand darüber sprechen. Der Nachbar könnte mithören. Der Nachbar könnte ein Kanario sein und die reagieren momentan überempfindlich, weil man sie für die Hauptverursacher hält. Wer im Juli und August an die Strände von Playa del Ingles und Maspalomas ging, den konnte das kalte Grausen erwischen. Die Inselbewohner schienen das Wort Corona niemals gehört zu haben, es war kaum auszuhalten, wenn man ihre Sorglosigkeit beobachtete. Sie lagen in Rudeln zusammen, von Abstand keine Spur. Hauptthema ihrer wortreichen Unterhaltungen, das Virus. Und die Politik. Dabei wurden sie zwar nicht müde, auf alle anderen zu schimpfen und übersahen gefliessentlich, wie genau sie Abstandsregeln missachteten, im Wasser viel zu nahe kamen, sich zuriefen, spielten und küssten. Das Virus für die anderen, wir doch nicht.

Gartenfeste mit Freunden, das merkt ja keiner. Die Polizei passte zwar auf, aber sie kann nicht in die jeden Garten schauen, sie kann die Hotelswimmingpools nicht überwachen. Sie durchforsten die öffentlichen Bereiche, doch der eigene Schutz, den jedermann als Pflicht erachten müsse, den können sie unmöglich übernehmen. Die zu grosse Ignoranz, ja, auch Trotz, weil die Corona Bestimmungen vom Festland kommen, machen die Einheimischen zum "wilden Kind, welches nicht gehorchen will". Dass dies seine Folgen haben würde, lag dem Beobachter auf der Hand. Ein Spaziergang durch die Strassen reicht aus, um alle Probleme zu überschauen.


Das gerne streitende Volk ist nicht zimperlich, wenn sie untereinander austeilen. Die Lucha Canaria liegt hier manchem im Blut, auch Frauen schrecken nicht davor zurück, ordentlich zu streiten.  Doch ist es mit Wändebeschmieren getan? Solange sich drei Personen auf dem Gehweg nicht bemühen, einem Entgegenkommenden auszuweichen oder, mit etwas mehr Abstand, zu begegnen, wird es nichts mit dem Schutz.

Kanarios laufen immer geradeaus aufeinander zu, erst im letzten Moment, schert einer aus. Starke Charaktere, die sich nun kreuzen und immer wieder leicht anstecken. Mundschutz unter dem Kinn ist schlicht dumm und zeugt von Unwissenheit und Ignoranz; wer nach 6 Monaten Corona Pandemie nicht mitmacht, das Virus belacht und die Schutzmassnahmen nicht achtet, der ist ein Risiko für die Mitmenschen. Die Inselbevölkerung Gran Canarias ist nicht belastbar, aber all das darf man nicht aussprechen. Wie sollte man in so kurzer Zeit Erziehungsfehler der letzten hundert Jahre ergänzen und korrigieren? Die "dritte Welt" herrschte hier bis 1992, aber mit dem Eintritt in die EU war Afrika nicht ausgelöscht.